Verlag: J.G. Seume Blog

Kategorie: Buch & Druck

Leipziger Typotage im Museum für Druckkunst

In Anlehnung an das Reformationsjubiläum lautet das diesjährige Thema der Leipziger Typotage „Schrift und Erkenntnis“. Es wird um Schrift und Typografie im Kontext von Gestaltungspraxis, Wissenschaft, Geschichte und Technik gehen. Erkenntnis soll dabei als ein Prozess diskutiert werden, der allen Menschen innewohnt und der spätestens seit Erfindung des Buchdrucks maßgeblich von Schrift und Zeichen mitbestimmt wird.

Museum für Druckkunst Leipzig

Als Referenten stehen bisher fest: Tobias-David Albert (Leipzig), Marcel Henry (Basel), Lisa Neuhalfen (Berlin), Michael Schlierbach (Raubling), Jürgen Spitzmüller (Wien) und Werner J. Wolff (Berlin). Moderiert wird die Tagung von dem Leipziger Gestalter und Künstler Ivo Zibulla.

Zum Auftakt spricht am Freitag, 12. Mai 2017, um 19 Uhr, Jost Hochuli (St. Gallen) über den Typografen Jan Tschichold im Rahmen der Ausstellung »Tschichold in St. Gallen« (Museum für Druckkunst Leipzig, 5. März bis 14. Mai 2017).

Am Sonntag, 14. Mai 2017, gibt es zum Abschluss der Typotage drei Optionen: 1. Typografischer Rundgang durch Leipzigs Innenstadt mit Maurice Göldner und Britt Schlehahn, 2. Letterpress Workshop mit Thomas Siemon und Hans Bote, 3. Führung durch das Museum für Druckkunst und die Ausstellung »Tschichold in St. Gallen« (Beginn jeweils 11 Uhr).

Weitere Informationen zum Tagungsprogramm finden Sie unter www.typotage.de. Eine Anmeldung zu den Leipziger Typotagen ist ab sofort auf der Webseite möglich. Und neu im Museum für Druckkunst: Seminare der Typografischen Gesellschaft München. Los geht’s am 10. Februar mit „Effizienter arbeiten in InDesign“. Infos und Anmeldung auf tgm-online.de/seminare-leipzig.

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Von St. Gallen nach Leipzig

Ein Wanderer der besonderen Art war der 1902 in Leipzig geborene Typograf Jan Tschichold. Er besuchte in seiner Heimatstadt die Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe, heute Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB). Sein Name ist unter Verlegern, Buchhändlern, Bibliothekaren, Bibliophilen, Typografen und Buchgestaltern weltweit bekannt. Aufsehen erregte schon 1928 sein Buch „Die Neue Typographie“. Von den Nazis als „Kulturbolschewist“ diffamiert, gelang ihm 1933 von München aus die Flucht nach Basel, wo er von nun an wirkte. Von 1947 bis 1949 arbeitete er in London, dann wieder in der Schweiz.

Seit frühester Zeit und bis zu seinem Tod 1974 hat er unablässig publiziert. Mit seinen Arbeiten, seinen Büchern und einer Unzahl von Artikeln hat er die Typografie der westlichen Welt im 20. Jahrhundert entscheidend geprägt.
2010 haben die Erben von Jan Tschichold der Kantonsbibliothek Vadiana in St. Gallen dessen Arbeitsbibliothek geschenkt, in der ein wahrer Schatz an Zeugnissen zur Geschichte der Typografie enthalten ist.
Dieses persönliche Archiv hat der Schweizer Buchgestalter und Typograf Jost Hochuli bearbeitet und Teile daraus nun in einer Ausstellung öffentlich gemacht.

Im Museum für Druckkunst in Leipzig ist die Schau vom 5. März bis 14. Mai 2017 zu sehen. Sie bietet in 24 Vitrinen einen Querschnitt durch die Arbeitsbibliothek und zeigt Dokumente, die neues Licht auf Persönlichkeit und Werk von Jan Tschichold werfen. (→ druckkunst-museum.de)

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